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Andere Darstellungen / Epochen

Die Colloredo-Grenadiere des K.k. Inf. Reg. No 56

,Wenzel Graf Colloredo’

Grenadiere - Geschichte

Der Begriff des Grenadiers ist ein Mythos – noch heute werden mit ihm Elite und besonderes Leistungsvermögen assoziiert. Die Geschichte dieser Eliteeinheiten reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Die Armeen verschiedenster europäischer Länder griffen nur auf besonders „kräftige und entschlossene Burschen“ (Originalzitat aus einer österreichischen Exerziervorschrift aus dem Jahre 1798) zurück, wenn es galt, den Gegner mit Sprengkörpern – schweren Handgranaten (von diesen leitet sich auch der Begriff „Grenadier“ ab!) – in die Flucht zu schlagen. Obwohl in der Mitte des 18. Jahrhunderts der Gebrauch der Handgranate für längere Zeit abkam, blieben Grenadiereinheiten bestehen und bilden bis heute in jeder Armee deren „Rückgrat“. Zur Legende wurden sie vor allem aber in den Napoleonischen Kriegen.

Colloredo Grenadiere - Geschichte

Das spätere K.k. Infanterieregiment No. 56 „Wenzel Graf Colloredo“ wurde 1684 in Breslau/Böhmen aufgestellt. 1700 wurden im Regiment die ersten Grenadier - kompanieen gebildet. Im 18. Jahrhundert nahm es bei Kriegen in Italien, gegen die Türken und in den Schlesischen Kriegen gegen Preußen teil. Seit 1766 führt das Regiment die dunkelgrüne Aufschlagsfarbe.

Von 1794 bis 1822 befehligte Feldmarschallleutnant Wenzel Graf Colloredo das Regiment. In den Revolutionskriegen kämpfte es in den Niederlanden, in Italien und in Deutschland (ua. 1796 in der für Österreich siegreichen Schlacht bei Würzburg).

Interessantes Detail aus der österreichischen Militärgeschichte:

1799 diente Fähnrich Francisca Scanagatta, wohl die einzige Frau mit Offiziersrang in der K.k. Armee. Scanagatta gab sich als junger Mann aus und durchlief die Offiziersausbildung erfolgreich. Als Fähnrich in den aktiven Dienst gestellt, bewährte sie sich in mehreren Gefechten. Obwohl öfters Offizierskameraden „ihre Männlichkeit“ anzweifelten – sie reagierte darauf mit Duellaufforderungen - konnte sie jahrelang ihr Geheimnis verbergen. Erst bei ihrer zweiten Verwundung und auf Grund einer Intervention ihres Vaters – ein wohlhabender italienischer Kaufmann, der ihr versprochen hatte, ihr Geheimnis zu bewahren – mußte sie, im Rang eines Oberleutnants stehend, ihren Abschied von der Armee nehmen. Ihr zu Ehren veranstalteten ihre Offizierskameraden – zu diesem Zeitpunkt war ihr Geschlecht schon allgemein bekannt – ein Abschiedsessen, bei dem sie das letzte mal ihre geliebte Uniform trug. Jahre später heiratete sie – man wundert sich kaum – einen Offizier der K.k. Armee. Sie wurde Mutter von mehreren Kindern und bezog, nach dem Tod ihres Mannes, neben einer Witwenpension auch die Pension eines Oberleutnants.

Den Feldzug von 1805 machte das Regiment in Italien mit. 1809 kamen die Colloredo-Grenadiere, nach Kämpfen in Bayern und Oberösterreich, in den Schlachten von Aspern (erste Niederlage Napoleons in einer Feldschlacht!) und Wagram zum Einsatz.

Die Leistungen der Österreichischen Armee dieser Zeit hat kein Geringerer als Napoleon Bonaparte selbst – einem Kritiker der Kaiserlichen gegenüber – mit der Bemerkung gewürdigt „Man merkt, Ihr habt die Österreicher bei Wagram nicht gesehen“. 1813 kämpften Teile des Regiments bei Dresden und Hanau und auch in der berühmten Völkerschlacht bei Leipzig. Im Frühjahrsfelzug 1814 in Frankreich erfolgte für das Colloredo-Regiment - mitten im heißesten Kampf - die Weihe zweier neuer Fahnen; ein gewiß einzigartiges Beispiel österreichischer Miltärgeschichte.

Den Colloredo-Grenadieren wurde 1814 als Teil der alliierten Streitkräfte die Ehre zuteil, in Paris einzuziehen und dort kurzfristig Quartier zu nehmen. Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege bezogen sie wieder ihre Friedensgarnison in Olmütz/Böhmen.

Colloredo Grenadiere - in der historischen Darstellung heute

Seit 2002 sind die Colloredo-Grenadiere in der Austrian Napoleonic Society – A.N.S. – organisiert. Historischer Echtheit, der Kameradschaft und der Freude „am Spielen“ verpflichtet, fanden sie mit ihrer historischen Darstellung sofort Anerkennung in der „Napoleonischen Re-enactment Welt“.

Das gemeinsame Hobby ist völkerverbindend und schafft die Grundlage zahlreicher Freundschaften weit über die Landesgrenzen hinaus. Zu den Mitgliedern der Colloredos zählen Kameraden aus Deutschland, England, den USA, Italien und Malta.

Politische Betätigungen und ideologische Vereinnahmung sind den Colloredo-Grenadieren fremd!

Sie versuchen, neben der authentischen Nachbildung von Uniformen und Ausrüstung, den Alltag es einfachen Soldaten transparent zu machen durch: Exerzieren, Lagerleben, große Schlachten und die Teilnahme an gesellschaftlichen Ereignissen. Mittlerweile treffen sich Gleichgesinnte in und aus ganz Europa um diese entscheidende Napoleonische Epoche nachzuerleben.

Und wenn auch ein Reglement um 1700 besagt „ein Grenadier darf nicht weibisch aussehen, sondern furchtbar....nicht leicht lachen oder freundlich tun“, steht bei aller Ernsthaftigkeit die Freude an lebendiger Geschichtsdarstellung im Vordergrund.

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Letzte Aktualisierung: 17.03.2011